Verwaltung als
Verbrechen.
Die SS-Behörde »Inspektion der Konzentrationslager«

Dauerausstellung

März 2024
Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

Generalunternehmer

Ausstellungsraum mit schwarzen Informationstafeln und einem Monitor an den Wänden, sowie einem Ausstellungstisch in der Mitte des Raumes, durch ein Fenster fällt Tageslicht herein
Blaue Ausstellungstafel mit Dokumenten und Fotos zur SS-Behörde 'Inspektion der Konzentrationslager', zweisprachig deutsch-englisch die Überschrift 'Verwaltung als Verbrechen'
Ausstellungstafeln zur Organisationsgeschichte der SS-Behörde 'Inspektion der Konzentrationslager' mit Texten, Fotos und Dokumenten

In der Gedenkstätte Sachsenhausen, im sogenannten T-Gebäude, planten und realisierten wir die neue Dauerausstellung zur Geschichte der »Inspektion der Konzentrationslager«. Das Gebäude ist einer der wichtigsten Täterorte des Nationalsozialismus, der bis heute allerdings weitgehend unbekannt ist. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der auf einem umfangreichen Formularwesen beruhende, erschreckend effiziente bürokratische Apparat der KZ-Inspektion.

»Verwaltung als Verbrechen. Die SS-Behörde ›Inspektion der Konzentrationslager‹« ist eine grundlegende Überarbeitung und mediale Erweiterung der Ausstellung von 2013. Sie ist größtenteils im ehemaligen Büro des Chefs der SS-Behörde verortet und verknüpft damit den Täterort mit einem der Tatorte, dem KZ Sachsenhausen. Die Ausstellung kombiniert klassische Ausstellungsobjekte mit digitalen Medien, um den Besucher:innen die Effizienz des bürokratischen Apparates der SS und die psychologischen Mechanismen, die für dessen Funktionieren bedeutend sind, näherzubringen.

Im Fokus der Ausstellungsgestaltung steht die Entschlüsselung zahlreicher Dokumente, die – wie häufig bei Ausstellungen im NS-Kontext – zentral für das Verständnis des NS-Apparates sind. Der Ausstellungsbau greift ihre Vielschichtigkeit auf und visualisiert das Stapeln von Dokumenten auf Schreibtischen durch Schichten aus schwarzem MDF. Der dunkle Untergrund lenkt den Fokus auf die präsentierten Dokumente.

Grafische Elemente strukturieren die Präsentation und verbinden die Dokumente mit digitalen Informationen, da diese aufgrund von Abkürzungen und bürokratischer Sprache für Besucher:innen oft schwer verständlich sind.
Blaue Post-its, als Anspielung auf den Verwaltungsalltag, erläutern Begriffe und bieten vertiefende Informationen. Gestrichelte Linien verknüpfen den Aktenplan mit Vordrucken und Schnellbriefen. Ein Icon markiert die Stellen, an denen ein Touch-Tisch zusätzliche Inhalte zu den gezeigten Dokumenten bereitstellt.

Zwei Personen informieren sich am Touch-Tisch zu den ausgestellten Dokumenten, ringsum Wände mit Ausstellungstafeln und Vitrinen
Blaues Icon, das die Stellen markiert, an denen ein Touch-Tisch zusätzliche Inhalte zu den gezeigten Dokumenten bereitstellt
Texttafel über Arthur Liebehenschel, NSDAP-Mitglied und Kommandant im KZ Auschwitz, mit biografischen Details und seiner Rolle in der Lagerleitung.
Ausstellungstafeln zur Nutzungsgeschichte des Hauses mit Texten, Fotos und Dokumenten

Das Kernstück der Ausstellung ist ein Multitouch-Tisch, der in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen entwickelt wurde. Für den Multitouch-Tisch und zwei weitere Medienstationen waren wir beratend für das Screendesign tätig. Besucher:innen können hier verschiedene Dokumente betrachten und entschlüsseln. Merkmale wie Aktenzeichen, Stempel, Anmerkungen und Unterschriften werden hervorgehoben, erläutert und in ihren historischen Kontext eingeordnet.

Nach Sylvia Ehl, der Kuratorin der Ausstellung, dienen die Dokumente »als Beweisstücke, die erkundet und nach Indizien durchsucht werden können«. Ziel ist es, die Besucher:innen dazu anzuregen, »das Verbrecherische im Verwaltungshandeln der SS-Behörde aufzudecken und die bürokratischen Prozesse, Organisationsstrukturen und Hierarchien im Hintergrund des Grauens in den Konzentrationslagern zu erkennen«.

Team & Projektdetails

AUFTRAGGEBER: Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
GESTALTUNGSKONZEPT: Katharina Weber
ARCHITEKTUR: Thomas Doetsch, Robert Samtleben (ADSB)
AUSSTELLUNGSGRAFIK: Katharina Weber
WERBEGRAFIK: Leah Conde
BERATUNG SCREENDESIGN: Katharina Weber
AUSSTELLUNGSBAU: Art Department Studio Babelsberg
GRAFIKPRODUKTION: Printaria & mediaservice, Villa Schmück Dich
FLÄCHE: ca. 300 qm
FERTIGSTELLUNG: März 2024
FOTOS: Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Andreas Pupkes, Katharina Weber