Labor 89. Neue Perspektiven auf die Wendezeit

Sonderausstellung

Januar – März 2020
FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum

Ausstellungsgestaltung
mit Janno Himpel

Person mit Rucksack betrachtet Ausstellung mit großformatigen schwarz-weiß Fotos und Texttafeln in einem hellen Raum mit Holzboden.
Blick in die Ausstellung mit mehreren gelben und violetten Infotafeln, die an einem Holzrahmen mit ebenfalls gelben und violetten Fäden befestigt sind.
Ausstellungswände mit Texten, Fotos und zwei Hörstationen, Überschrift '1970er Jahre' und '1980er Jahre'

Im November 2019 jährt sich der Fall der Berliner Mauer zum 30. Mal. Die deutsch-deutsche Wiedervereinigung ist geprägt von einer einseitigen nationalen Erfolgsgeschichte. Unbeachtet bleiben die Beiträge der Menschen, die nicht in dieses Bild passen, die für soziale Gleichheit und gesellschaftliche Teilhabe, für kulturelle, politische und sexuelle Selbstbestimmung gekämpft haben. Labor 89 wagt eine Gegenerzählung. Es rückt Bewegungsgeschichten aus Ost und West, insbesondere aus Berlin, in den Vordergrund und erzählt sie aus feministischer Perspektive.

Die Ausstellung verräumlicht alternative Erinnerungskulturen und unterstreicht visuell die Unabgeschlossenheit des historischen Diskurses. Auf der einen Seite schlüsselt eine Zeitleiste zeitgleich in Ost und West stattfindende Ereignisse, aber auch die darin enthaltenen Leerstellen auf.

Thementexte führen in die Geschichte ein, Fotos, Flugblätter und Tondokumente vertiefen die Beschreibung, Zitate schlagen den Bogen zum Biografischen.

Ausstellung mit schwarz-weißen Fotografien, Texttafeln und Hörstationen mit Kopfhörern, verbunden durch gelbe und violette Fäden.
Großer Holztisch mit Stühlen in einem Raum, umgeben von schwarz-weißen historischen Fotografien von Menschen bei Demonstrationen.

Auf der gegenüberliegenden Seite dient ein transparentes, verwobenes Netz als Träger. Ziel ist, Orte, Themen, Akteur:innen und Ereignisse aus Ost und West historisch-diskursiv zu mappen. In den Jahren 1989/1990 ist in einer kurzen historischen Phase vieles passiert, das in seiner Bedeutung für die Bewegung*en bis heute nachwirkt, das in offizieller Geschichtsschreibung aber bis heute kaum Erwähnung findet.

In der Mitte des Raumes entsteht ein Archivraum. Er ist flankiert von historischen Großbildern, die unterschiedliche Akteur:innen in Lebensgröße abbilden und als Gesprächspartner:innen in die Ausstellung holen. Gesammelte Flugblätter, Broschüren und Zeitschriften werden den Besucher:innen zur Verfügung gestellt, die an einem großen Tisch studiert, diskutiert und ergänzt werden können und sollen. Das Archiv greift das Bild der »Küchentischgespräche« auf und dient als atmosphärischer Raum für begleitende Diskussionsveranstaltungen.

Zettel mit Text liegt auf einem Holzgestell mit vielen schmalen Holzlatten, Sonnenlicht fällt schräg darauf.

In der Ausstellung stehen die vielfältigen Darstellungs- und Äußerungsformen der Zeitzeug:innen im Mittelpunkt. Offizielle Geschichte wird nicht nur ergänzt, sondern als verhandelbar und offen dargestellt. Die Gestaltung unterstreicht das Ziel der Präsentation: »Labor 89« ruft dazu auf, die Erinnerungskultur zur Wendezeit in Ost und West zu vervielfältigen und durch neue Perspektiven herauszufordern.

Parallel zur Ausstellung ist ein Buch entstanden, das sich auf die Ausstellung bezieht, aber zugleich eigenständig bleibt.

Team & Projektdetails

AUFTRAGGEBER: FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum
AUFTRAGNEHMER: Matthies & Schnegg
AUSSTELLUNGSGESTALTUNG: Julia Schnegg in Kooperation mit Janno Himpel
AUSSTELLUNGS- UND WERBEGRAFIK: Julia Schnegg
FLÄCHE: ca. 100 qm
FERTIGSTELLUNG: Januar 2020
FOTOS: Katharina Weber