Ausstellungsgestaltung
Das bereits seit 1935 existierende Hugenottenmuseum im Turmbau des Französischen Doms am Gendarmenmarkt wurde 2021 nach der Sanierung des Gebäudes neu eröffnet.
Das Potsdamer Edikt ermöglichte es 1685 Protestanten (Hugenotten) nach Brandenburg auszuwandern. Das zentrale Exponat des Museums ist zusätzlich zur Präsentation in einer Vitrine in voller Länge als große Typografie an die Wand gebracht.
Auf kleinen, kabinettartigen Ausstellungsflächen werden die Themen verdichtet präsentiert. In den drei großen Räumen können die Besucher:innen aus der zweiten Ebene (Sonderausstellungsfläche) von einer Galerie in die Dauerausstellung blicken. Diese Besonderheit wurde in der Szenografie berücksichtigt: Die Objekte sind entsprechend angeordnet und grafische Elemente bilden einen Mehrwert.
Dank der prominenten Lage am Gendarmenmarkt hat das Museum eine sehr heterogene Zielgruppe: neben Tourist:innen aus aller Welt und als Lernort für Schulklassen finden sich auch geschichtsbegeisterte Individualbesucher:innen.
Die Ausstellung wurde dreisprachig geplant (DE | EN | FR) und kann durch den Mediaguide, der 2023 fertiggestellt wird, perspektivisch um weitere Sprachen erweitert werden.
Die durch Mittel der DKLB-Stiftung finanzierte Dauerausstellung präsentiert die Geschichte der Hugenotten in Berlin und Brandenburg von den Anfängen bis in die Gegenwart in neun Themenräumen.
Die Einbettung in die gesamteuropäische Migration infolge der Reformation, die Ursachen der Flucht der Hugenotten, die Geschichte ihrer Aufnahme und ihr Beitrag zur Geschichte Berlin-Brandenburgs stehen dabei im Mittelpunkt.
Für die Besucher:innen bietet sich auch die Möglichkeit, sich aus der historischen Perspektive heraus mit den Themen Flucht, Integration und dem Leben im Refuge zu beschäftigen.
Die Ausstellungsgrafik unterstreicht vermittelnd die inhaltliche Narration; so finden sich Ausschnitte von berühmten Kupferstichen vergrößert an den Wänden.
An mehreren Stellen schlägt die Ausstellung einen Bogen zu den aktuellen Migrationsbewegungen, zeigt die Relevanz zur heutigen Zeit auf und bietet so für die Vermittlung Anknüpfungspunkte.
Die bedeutenden Exponate der Sammlung des Museums werden in hochwertigen, zeitlosen Ausstellungsarchitekturen am authentischen Ort inszeniert. Jeder der neun Themenräume erhielt eine eigene Farbe, um die inhaltliche Struktur der Ausstellung für die Besucher:innen im komplexen Gebäude sichtbar zu machen.
Schon in der Konzeption der Ausstellung wurden Barrierearmut und Angebote für Kinder mitgedacht. Neben den Standards wie unterfahrbaren Vitrinen, guten Lesehöhen und ausreichend Kontrasten in den Ausstellungstexten ist so z. B. auch das Tastmodell eines Hauses aus der Hugenotten-Siedlung Groß-Ziethen entstanden.
Die als Objekte ausgestellten Kupferstiche von Jan Luyken können an der Medienstation »Bilder zur Verfolgung der Hugenotten in Frankreich« im Detail erlebt werden. Die Besucher:innen können in die Kupferstiche hinein zoomen und mehrere herausgehobene Situationen mit etwas ausgeblendetem Hintergrund betrachten, dazu gibt es einen kurzen Erklärungstext.
Ein kurzes Glossar liefert Kontext zu den gezeigten Personen und Ereignissen.
An der Medienstation »Datenbank der Hugenottennamen« können die Besucher:innen ihre eigenen hugenottischen Vorfahren recherchieren und es wird der Bogen zur heutigen Hugenotten-Gemeinde in Berlin gespannt.
Die drei historischen Dokumente sind spannende Zeitzeugnisse und können komplett durchgeklickt werden.
Die Medienstation »Einrichtungen der Hugenottengemeinde in Berlin« zeigt die Entwicklung und Ausdehnung im Berliner Stadtraum der Gemeinde anhand der kirchlichen und sozialen Einrichtungen, die von ihr betrieben wurden.
Zusätzlich können vier historische Stadtpläne abgerufen werden.
AUFTRAGGEBER: Französische Kirche zu Berlin
GESTALTUNGSKONZEPT: Matthies Weber & Schnegg mit Andreas Piontkowitz
ARCHITEKTUR: Thomas Doetsch, Andreas Piontkowitz (Wettbewerb)
AUSSTELLUNGSGRAFIK: Katharina Weber, Katharina Matthies, Julia Schnegg
MEDIENSTATIONEN: Katharina Matthies
PROGRAMMIERUNG MEDIEN: Graphscape
LICHT: Michael Flegel, Marc Aldinger
FLÄCHE: ca. 360 qm
FERTIGSTELLUNG: Oktober 2021
FOTOS: Marion Lammersen, MW&S
Matthies Weber & Schnegg
c/o GH28
Große Hamburger Str. 28
10115 Berlin
Tel: 030 55 95 71 60
E-Mail: zentrale@matthies-weber-schnegg.com