Ausstellungsgestaltung
Das Haus der Geschichte zeigt im Museum in der Kulturbrauerei vom 19. März 2024 bis 31. August 2025 die von uns gestaltete Sonderausstellung »Heavy Metal in der DDR«. Die Ausstellung über die größte Jugendbewegung der DDR zeigt eindrucksvoll, wie sich die Heavy-Metal-Szene auch ohne die Möglichkeit, Konzerte von Metallica und Iron Maiden zu besuchen, entwickelte.
Der Alltag der Fans und Musiker:innen wird durch Zeitzeug:innen und tolle Exponate zum Leben erweckt. Gutes Handwerk, Einfallsreichtum und Kreativität waren gefragt, um die passenden Outfits und Instrumente zu beschaffen und herzustellen.
Auch die Schikanen und die Überwachung durch die Stasi und deren Auswirkungen auf die Menschen werden in der Ausstellung nicht verschwiegen.
Mit dem Fall der Mauer änderte sich alles, die Fans konnten endlich die Konzerte der internationalen Bands besuchen, hatten Zugang zu allen Tonträgern. Die Ausstellung öffnet den Blick auf den Alltag in Ostdeutschland in den 1990er und 2000er Jahren und verfolgt die Heavy-Metal-Szene durch Umbrüche, Extreme und Wiederbelebungen bis in die Gegenwart.
Gemeinsam mit dem Architekten Thomas Doetsch haben wir in enger Abstimmung mit dem Museumsteam analog zu den thematischen Einheiten mehrere inszenierte Räume erarbeitet.
Die Besucher:innen werden von einer großen Medieninstallation, die aus fünf Monitoren besteht, empfangen und mit eindrucksvollem Bildmaterial und Sound direkt in die Welt des Heavy Metal entführt.
Der Rundgang beginnt mit einer kurzen Einführung in die Lebenswelten von Jugendlichen in den 1980er Jahren in der DDR. Sogleich betritt man das Jugendzimmer eines Heavy-Metal-Fans mit authentischer 70er-Jahre-Tapete, Cord-Tagesbett, Postern, Schallplatten und vor allem vielen Kassetten.
Da vor allem die Platten internationaler Bands schwer zu bekommen waren, gab es in der DDR einen regen Austausch von Musikkassetten unter den Musikfans.
In den folgenden Kapiteln erfahren wir, wer die Heavy-Metal-Fans und Musiker:innen sind, wo es die passende Musik im Radio zu hören gab, wie Konzertbesuche organisiert werden mussten und viel über das Gemeinschaftsgefühl in der Szene vor dem Mauerfall.
Der Mauerfall und die Wiedervereinigung markieren auch einen Bruch in der Heavy-Metal-Szene. Es folgen Einbrüche für die Bands, die plötzlich erst einmal abgemeldet sind, die Szene wird teilweise extremer, am Ende der Ausstellung können die Besucher:innen im Hier und Jetzt an einem Bartresen »einkehren« und die Wiedergeburt der Szene feiern.
Die Ausstellung lebt allem durch die vielen liebevoll entwickelten Details und interaktiven Elemente:
Lemmy Kilmister wird mit einer Photo-Op Tribut gezollt, hier können die Besucher:innen sich in einer Lemmy-typischen Pose mit Bass und Über-Kopf-Mikro inszenieren und natürlich ein Foto davon schießen.
Eine Feedback-Wand am Ende fordert die Besucher:innen auf, die Bedeutung von Heavy Metal in ihrem Leben auf – wundervoll von uns gestalteten – Bierdeckeln zu verewigen und aufzuhängen.
Ein »Noise Room« lädt dazu ein, Ohren betäubend Heavy Metal zu hören. Ein großer Blitz in der Tür erlaubt einen Einblick in die Kabine und lässt die Besucher:innen zum Teil der Ausstellung werden.
Das Ausstellungsprojekt ist in Konzeption und Umsetzung sehr nachhaltig. Schon in der inhaltlichen Konzeptionsphase haben die Kurator:innen eingeplant, die im Museum vorhandenen Stellwände, Medientechnik und Vitrinen zu verwenden und ihr Konzept darauf aufgebaut.
Die Szenografie der Ausstellung arbeitet mit einfachen Mitteln: Die Kapitel sind farblich voneinander abgesetzt und ein »Blitz« führt durch die zwei Räume. Er läuft als rotes Farbband über Boden, Wände und Decke und verbindet die einzelnen Kapitel zu einer Gesamterzählung. Ein Farbverlauf von taubenblau bis schwarz suggeriert abstrakt die Entwicklung, den Auf- und Umbruch der Szene.
Die Werbegrafik zu der Ausstellung stammt ebenfalls aus unserer Feder.
AUFTRAGGEBER: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
ARCHITEKTUR: Thomas Doetsch
AUSSTELLUNGSGRAFIK: Katharina Matthies, Leah Conde, Paula Teichmann
WERBEGRAFIK: Leah Conde, Katharina Matthies
FLÄCHE: 200 qm
LAUFZEIT: März 2024– August 2025
FOTOS: Haus der Geschichte Berlin
Matthies Weber & Schnegg
c/o GH28
Große Hamburger Str. 28
10115 Berlin
Tel: 030 55 95 71 60
E-Mail: zentrale@matthies-weber-schnegg.com