Brutal modern »Bauen und Leben in den 60ern und 70ern«

Sonderausstellung

Oktober 2018 – März 2019
Braunschweigisches Landesmuseum

Ausstellungsgestaltung

Blick in die Ausstellung. Der Titel "Brutal Modern" in weißer Schrift an schwarzer Wand im Raum, ein großflächiges Foto eines Gebäudes an der Nebenwand. In der Mitte des Raumes eine große graue Säule, im Hintergrund Blick in einen anderen Bereich mit dem Titel "Hoffnung auf die Zukunft"
Ein Gang mit einem weiß-gelben Zeitstrahl an weißen Wänden, der geschichtliche Ereignisse und den Bau verschiedener Gebäude wie des Hauses der Nationalversammlung oder des Fernmeldeturms Cottbus auflistet.
An einer Wand sind Reihenhäuser und Hochhäuser in schwarz-weiß abgebildet, dazu gibt es eine Infotafel zum Stadtteil Schwarzer Berg. Davor steht eine Art Fahrrad mit ungewöhnlichem Sattel und Gangschaltung.

Die Sonderausstellung, die wir mit KKS Architektur + Gestaltung entworfen haben, ist vom 13. Oktober 2018 bis zum 31. März 2019 im Braunschweigischen Landesmuseum zu sehen.

Die Bauten der Nachkriegs-Moderne aus den 60er und 70er Jahren sind reduziert und sachlich. Dennoch polarisieren sie wie kaum eine andere Architektur-Ära.

In der Ausstellung werden 20 Gebäude aus der Region Braunschweig-Wolfsburg-Salzgitter vorgestellt. Den einen gilt ihre Architektur als kalt und seelenlos, den anderen als fotogene Klassiker.

Über großformatige Architekturfotos versetzt die Ausstellung die Besucher:innen in eine Stadt der 60er und 70er Jahre Architektur, mit Kirchen, Schulen, Verwaltungs- oder Veranstaltungsstätten, Fabriken und Universitätsinstituten.

Im Ausstellungsraum mit weißen Wänden und hellem Holzfußboden stehen Stelen mit den Überschriften "Ein fester Beton ist unser Glaube" und "Nah dran am Leben"
eine weiße Mauer im Raum mit Holzfußboden und schwarzen Wänden, darauf steht "Modernisierung in 'Bibliosibirsk'"
Raum mit schwarzen Vitrinen mit ausgestellten Broschüren auf der linken Seite und großflächigen roten und blauen, leporelloartig angeordneten Wandflächen auf der rechten Seite.
Ein rotes Band führt an weißen Ausstellungswänden und am Holzboden entlang an Informationen zu verschiedenen Gebäuden und Jahreszahlen.

Dabei werden nicht nur Pläne und Fotos aus der Entstehungszeit der Gebäude von berühmten Architekten, wie Alvar Aalto oder Hans Scharoun präsentiert. Es wird ein lebendiges Bild der Zeit gezeichnet und durch Medienvielfalt unterstrichen. Die Bundesrepublik veränderte sich enorm zwischen 1960 und 1979, zwischen Kaltem Krieg und Anti-AKW-Bewegung. Auf allen Ebenen wurde modernisiert, die Demokratie erweitert und ausgebaut. Man machte sich seit den 60er Jahren auf den Weg zu einer weltoffenen Gesellschaft, bot Wohlstand und meisterte ab Mitte der 70er Jahre viele Krisen.

Wie man zwischen den eigenen vier Wänden lebte, wird anhand von vier originalgetreu rekonstruierten Wohnräumen – Wohnzimmer, Küche, Schlaf- und Kinderzimmer – bunt-charmant in Szene gesetzt.

Auf einem großen Zeitstrahl wird parallel zur Vorstellung der Gebäude erläutert, was die Menschen bewegte, die mit unbändigem Reformhunger in städtebaulichen Radikalkuren ihre Umgebung modernisierten. Welche weltpolitischen und gesellschaftlichen Entwicklungen beschäftigten die Bevölkerung in den 60er und 70er Jahren?

Am Ende fragt die Ausstellung nach dem Urteil der Besucher:innen zu den 20 präsentierten Gebäuden:
Abrisswürdige Bausünde? Seelenloses Betonmonster? Oder eine architektonische Perle? Ein Stück erhaltungswürdiger bundesrepublikanischer Identität? Das Braunschweigische Landesmuseum greift damit die brandaktuelle Frage nach dem Wert der Nachkriegsarchitektur auf. Denn die Gebäude sind in die Jahre gekommen, und vielerorts stellt sich akut die Frage: Abreißen oder Sanieren?

Team & Projektdetails

AUFTRAGGEBER: Braunschweigisches Landesmuseum
AUFTRAGNEHMER: Matthies & Schnegg
ARCHITEKTUR: KKS Architektur + Gestaltung
AUSSTELLUNGSGRAFIK: Julia Schnegg
LITHOGRAFIE: Claudia Wolf
FLÄCHE: 800 qm
FERTIGSTELLUNG: Oktober 2018
FOTOS: A. Pröhle, Braunschweigisches Landesmuseum